11.4 Die Alternative: dezentrale Energiewende

Eine dezentrale Energiewende mit dem Aus- und Aufbau von Windkraft- und Photovoltaikanlagen und anderen erneuerbaren Energieträgern in Süddeutschland wurde weder von der Bundesregierung noch von der Bundesnetzagentur in Erwägung gezogen - geschweige denn ernsthaft geprüft. Diese Form der Energiewende fordern auch Umweltverbände. Deutliche Fortschritte in der Stromspeichertechnologie machen dieses Szenario möglich. Dann sind die Stromautobahnen wie Südlink nicht mehr erforderlich, weil der Strom dort produziert werden würde, wo er gebraucht wird – und das ist vor allem in Süddeutschland der Fall.

DIE LINKE fordert für die Energiewende:

• Klares Nein zur zentralistischen Energiewende mit vielen Hochseewindrädern, SuedLink und den anderen Stromautobahnen. Die Energieversorgung darf sich nicht an den Interessen weniger Energiekonzerne orientieren, mit dem Ziel, die Renditen auf dem Rücken der Verbraucher/innen zu steigern. Energiepolitik muss dem Gemeinwohl verpflichtet sein.

• Offenlegung aller Gutachten und Bewertungen, die als Grundlage der Entscheidung zum Bau der Stromautobahn SuedLink und der anderen Stromautobahnen führten.

• Aus- und Aufbau einer dezentralen Energieversorgung, vor allem mit Windkraft- und Photovoltaikanlagen in Süddeutschland.

• Rekommunalisierung der Energieerzeugung, des Netzbetriebs und des Energievertriebs und so Stärkung der örtlichen Stadtwerke in kommunaler Hand.

• Wo die Stadtwerke nicht allein der Kommune gehören, wie etwa in Burgdorf, wollen wir dem privaten Mitgesellschafter, meist ein Konzern, den Laufpass geben, um eine dezentrale Energiewende mit bezahlbaren Strompreisen zu ermöglichen.

• Stärkung und finanzielle Förderung von Energiegenossenschaften und Bürgerkraftwerken.

• Deutlich stärkere Nutzung der Wasserkraft, die bisher zu Unrecht ein Schattendasein führt und nicht selten von Behörden blockiert wird.

• Blockheizkraftwerke auf den Deponien in der Region Hannover, um die Abwärme zu nutzen.

• Bei der Nutzung der Windenergie fordern wir wegen bisher ungeklärter möglicher Gesundheitsgefahren durch Infraschall einen deutlich größeren Sicherheitsabstand zur Wohnbebauung als bisher von der Region Hannover geplant. Infraschall sind unhörbare, aber vom menschlichen Organismus trotzdem wahrgenommene Schallwellen, die Windkraftanlagen permanent aussenden. Infraschall steht wie anderer Lärm in Verdacht, Krankheiten wie Bluthochdruck und Diabetes zu erzeugen. Die Forschung steht hier erst am Anfang. Weitere Untersuchungen sind dringend notwendig. Die Region Hannover plant als Genehmigungsbehörde bisher Windkraftanlagen mit einem Abstand von 800 Metern zu Siedlungen und 400 Metern zu einzelnen Häusern, was auch SPD und Grüne in der Regionsversammlung als ausreichend ansehen. Der vorsorgende Gesundheitsschutz hat für uns hier Vorrang, zumal die neuen Windkraftanlagen 200 Meter hoch werden sollen und damit deutlich höher als bisher. DIE LINKE steht mit dieser Ansicht in Europa nicht allein. Nachdem sich Nerze auf einem Bauernhof in Dänemark unweit einer Windkraftanlage tot gebissen hatten, gab die dänische Regierung ein Gutachten in Auftrag, das möglichen Gesundheitsgefahren durch Infraschall auf den Grund gehen soll. Die Ergebnisse sollen in einem Jahr vorliegen. Bis dahin haben viele Kommunen im Pionierland der Windenergie den Ausbau dieser Energieform „auf Eis“ gelegt.