24. März 2008

Trauer um Peter von Oertzen

Vom Linkssozialisten zum Sozialdemokraten und zurück. So könnte man das politische Leben von Peter von Oertzen, der am 16. März nach langer Krankheit im Alter von 83 Jahren verstarb, beschreiben.

Er war bis zu seinem Eintritt in die WASG (eine der Vorläuferparteien der LINKEN) im März 2005, fast 60 Jahre Mitglied der SPD. Peter von Oertzen verließ die SPD anlässlich der Agenda 2010. Seinerzeit sagte er: "Um öffentliche Treueerklärungen für die Bundesvereinigung der Arbeitgeberverbände abzugeben, bin ich 1946 nicht in die SPD eingetreten."

Der sich in origineller Weise an Max Adler, Georg Lukács und Erich Gerlach schulende junge Peter von Oertzen suchte zwischen den aufziehenden Fronten des Kalten Krieges zu Beginn der 50er Jahre auch praktisch-politisch einen dritten Weg jenseits von realsozialistischem Politbürokratismus und realkapitalistischem Antisozialismus.

 

Als kritischer Marxist vertrat er die Notwendigkeit, auf dem Reformweg den Übergang zu einem demokratischen Sozialismus zu schaffen. Er sah im demokratischen Rechtstaat den Möglichkeitsrahmen dafür und hielt dabei fest an der sozialistischen Zielversion einer solidarischen, von Ausbeutung, Unterdrückung und Unmündigkeit befreiten Gesellschaft, wofür es nötig ist, die kapitalistischen Eigentums- und Herrschaftsformen zu sprengen.

In der im Offizin-Verlag 2004 aufgelegten Auswahl seiner Schriften unter dem Titel „Demokratie und Sozialismus zwischen Politik und Wissenschaft“ heißt es: "Der Sozialismus muss mehr persönliche Freiheit und mehr demokratische Teilhabe (aber auch mehr Wohlstand und mehr Lebensqualität) schaffen als der Kapitalismus - nicht weniger. Sonst ist er nicht das Papier wert, auf dem seine Proklamationen geschrieben sind."

Über die Wege dorthin mag und muss man streiten. Zuletzt hat Peter von Oertzen sich eng mit dem Denken von Ernest Mandel verbunden gefühlt. Der Bezirksratsherr der LINKEN im Stadtbezirksrat Ahlem-Badenstedt-Davenstedt, Siegfried Seidel, sieht sich mit diesen Zielen von Peter von Oertzen verbunden und trauert über den herben Verlust, den die Linke insgesamt erlitten hat. Ihr fehlt ein Streiter für demokratischen Sozialismus und ein Gegner des Stalinismus.