30. November 2009

DIE LINKE: Einschränkung des Elternwillens wäre abenteuerlich – Selektion ist der falsche Weg

Hannover. DIE LINKE im Landtag hat den Vorstoß der FDP zur Einschränkung des Elternwillens bei der Auswahl der Schulform scharf kritisiert. Die FDP hatte auf ihrem Parteitag am Wochenende einen Eingangstest für das Gymnasium für den Fall gefordert, dass der Elternwille und die Empfehlung der Lehrer nicht übereinstimmen. „Der geforderte Eingangstest für das Gymnasium ist ein Generalangriff auf den Willen der Eltern in Niedersachsen“, sagte Christa Reichwaldt, die bildungspolitische Sprecherin der Fraktion. Es sei abenteuerlich, wenn bei Kindern im Alter von zehn Jahren ein einziger Test über deren lebenslange Bildungschancen entscheiden könnte. „Die Kinder stehen dadurch von Anfang an unter einem ungeheuren Leistungsdruck“, so Reichwaldt. Ein solcher Test werde außerdem dazu führen, dass Eltern alles für eine Gymnasialempfehlung tun werden. „Jene Eltern, die sich eine gute Nachhilfe für ihre Kinder leisten können, haben klare Vorteile gegenüber ärmeren Familien“, sagte Reichwaldt. Die Spaltung der Gesellschaft werde somit weiter zementiert.

Reichwaldt kritisierte auch die CDU-Fraktion, die zwar den geforderten Eingangstest ablehnt, allerdings starr am dreigliedrigen Schulsystem festhält. „Eine Entscheidung zugunsten der Schüler würde lauten: Die Abschaffung der Selektion zugunsten eines längeren gemeinsamen Lernens für alle“, sagte Reichwaldt. Wissenschaftliche Studien belegten, dass die Schulauswahl nach der vierten Klasse nicht nur von der Leistung abhänge, sondern der soziale Kontext eine große Rolle spiele. „Eine gemeinsame Schule für alle bis zur zehnten Klasse, in der jeder nach seinem individuellen Entwicklungsstand gefordert und gefördert werden kann, ist gerechter“, sagte Reichwaldt. Gegenwärtig sei die soziale Spaltung an den Schulen eklatant: Lediglich 4,4 Prozent der Gymnasiasten kommen aus Hartz-IV-Familien, bei Hauptschulen liegt der Anteil bei 28,1 Prozent, an Förderschulen sogar bei 43,8 Prozent.