7. November 2009

Wir machen weiter! Bundesweiter Bildungsstreik!

Gemeinsamer Aufruf von Campus Grün, Juso Hochschulgruppe und DIE LINKE.SDS Leibniz Universität Hannover

Das Bildungssystem der Bundesrepublik Deutschland ist in den letzten Jahren allen Warnungen von Experten und schlechten Ergebnissen bei PISA zum Trotz konsequent

weiter marktorientiert umgebaut worden. Floskeln der herrschenden Politik wie „Chancengleichheit“ oder „gleiche Bildungschancen“ finden in der Realität keine Entsprechung. Das Schul- wie auch das Hochschulsystem gehören zu den selektivsten aller Industrieländer. Die so genannten Bildungschancen sind heute mehr denn je von der sozialen Herkunft und dem Geldbeutel der Eltern abhängig. In den Schulen sorgen Essensgeld, kostspielige Nachhilfe, die Abschaffung der Lehrmittelfreiheit und die zunehmende Zahl von Privatschulen dafür, dass auch Schulbildung längst nicht mehr zum Nulltarif zu haben ist. Durch die Einführung von Studiengebühren in Niedersachsen steht der Hochschulzugang immer weniger Menschen offen, gerade für Kinder aus finanzschwachen Verhältnissen stellen Studiengebühren eine nahezu unüberwindbare Hürde da.

Spätestens die Exzellenzinitiative hat deutlich gemacht, welche Denkmuster dem Umbau des Hochschulsystems zugrunde liegen: Nur eine Elite kann und darf studieren! Dafür sorgen nicht nur die Selektion im Schulsystem, sondern auch zunehmende Hürden beim Hochschulzugang oder die mittlerweile obligatorischen Quoten beim Zugang zu den Masterstudiengängen. Deutschlands Elite bleibt unter sich, die unliebsame Konkurrenz wird ausgeschaltet.Gleichzeitig wird alles beschnitten, was einem schnellen, marktförmigen Studium im Wege steht: Demokratische Entscheidungsstrukturen werden zunehmendabgebaut, Mitbestimmung abgeschafft und der Einfluss der Wirtschaft auf die Hochschulen erhöht.

Die so genannte Reform des Hochschulsystems durch die Einführung der Bachelor- und Masterstudiengänge und die Einführung allgemeiner Studiengebührensind wie das Festhalten an einem längst überholten mehrgliedrigen Schulsystem nur Teilaspekte in der neoliberalen Umstrukturierung der Gesellschaft. Seit Jahren strebt die herrschende Politik danach, immer neue Bereiche für den Markt zu öffnen, die bisher frei oder kostengünstig für alle zugänglich waren. Neben dem Bildungsbereich zählen dazu beispielsweise die Bereiche Energie, Transport und Verkehr sowie das Gesundheitswesen und die Wasserversorgung. Auch die aktuelle Finanzkrise hat dieser zunehmenden Marktgläubigkeit keinen Abbruch getan. Die Privatisierung weiter Teile der öffentlichen Daseinsvorsorge und die zunehmende Deregulierung der Wirtschaft gehen unverändert weiter.

Nicht mit uns!

 

Wir fordern...

  • … Bildung muss kostenlos sein, von der KiTa bis zur Hochschule!

  • … die Abschaffung des verschulten Bachelor- und Mastersystems mit all seinen repressiven Elementen wie beispielsweise der Anwesenheitspflicht oder dem derzeitigen Leistungspunktesystem. Zulassungsbeschränkungen sind abzuschaffen, ausreichend Studienplätze müssen zur Verfügung gestellt werden.

  • ... eine Demokratisierung der Hochschulen durch die Besetzung aller Gremien zu gleichen Teilen mit Studierenden, HiWis, MitarbeiterInnen und ProfessorInnen sowie die Abschaffung des undemokratischen Hochschulrates.

  • … die Einführung der Gesamtschule für alle SchülerInnen. Erfahrungen aus anderen Ländern zeigen, dass ein gemeinsames Lernen ohne soziale Schranken nicht nur gerechter ist, sondern auch zu besseren Ergebnissen führt.

  • … demokratische Schulen in denen LehrerInnen, Eltern und SchülerInnen zu gleichen Teilen in Konferenzen vertreten sind und gleichberechtigt die Gestaltung ihrer Schule mitbestimmen können.

  • … die Abschaffung von Frontalunterricht, des altmodischen Notensystems, des Sitzenbleibens, des Turbo-Abi, der Profiloberstufe und des Zentralabiturs. Wir sind für die individuelle Förderung kleiner Klassen mit maximal 20 SchülerInnen.

  • … ein modernes Bildungssystem des 21. Jahrhunderts, welches neben einer umfassenden humanistischen Bildung auch soziale Kompetenzen vermittelt.

Protest lohnt sich!

Dass sich Protest am Ende auch auszahlt, hat das Beispiel Hessen im vergangenen Jahr mehr als deutlich gemacht. Die lang anhaltenden Proteste der StudentInnen gegen die Einführung der Studiengebühren haben letztlich zu einem Umdenken bei den WählerInnen geführt, die sich bei der Landtagswahl in einer Mehrheit für die Abschaffung von Studiengebühren niederschlug. Und selbst eine schwarz-gelbe Landesregierung hat es bislang aus Furcht vor weiteren Protesten nicht gewagt, die mit den Stimmen von SPD, Grünen und LINKEN abgeschafften Studiengebühren wieder einzuführen.

Ein bundesweites Bündnis ruft dazu auf am 17.11.09 an Bildungsprotesten teilzunehmen. Vom Steintor und vom Opernplatz werden viele Menschen auch in Hannover demonstrieren und gemeinsam bei einer Abschlusskundgebung auf dem Opernplatz ihre Forderungen öffentlich machen.

Treffpunkt: Dienstag, 17.11.2009 um 12 Uhr am STEINTOR!