5. September 2015 Martin Teicher

Eine kontroverse, interessante Diskussion über Griechenland

Im DGB-Hochhaus fand am 03.September im voll besetzten Großen Saal eine sehr lebhafte Debatte über die europäische Austeritätspolitik gegenüber Griechenland statt. Mit dabei eine größere Anzahl Mitglieder der Linken aus der Region Hannover wie auch aus anderen Kreisverbänden wie Hildesheim. Im Mittelpunkt der Wortbeiträge der Podiumsteilnehmer standen Fragen wie praktische Solidarität der Linken in Europa mit Griechenland, Grexit - Ja oder Nein, Plan B bzw. War eine Rückkehr zur Drachme eine realistische Option für Griechenland, gibt es überhaupt noch die Möglichkeit von Reformpolitik auf nationalstaatlicher Ebene in der Europäischen Union?

Dabei nahm Dr. Gregor Kritidis, Autor von “Griechenland-auf dem Weg in den Maßnahmestaat ?“ und DGB Sekretär des Bezirk Niedersachsen-Sachsen-Anhalt-Bremen die radikalste Position ein. So radikal, dass Sven-Christian Kindler, MdB Bündnis 90/Die Grünen bemerkte, Gregors Positionen sind hoffentlich nicht die Positionen des DGB!

Kollege Kritidis und auch auch viele Teilnehmerinnen der Veranstaltung befürworten einen Grexit von Links.

Kritidis sieht den unaufhaltsamen Zerfall von Syriza. Er befürwortet die Abspaltung der Linken Plattform und die Gründung des neuen Parteiprojektes “Volkseinheit“ (“Laiki Enotita“)

Sven-Christian Kindler dagegen warnte eindringlich vor den ökonomischen und sozialen Folgen eines Grexit. Der grüne Bundestagsabgeordnete Kindler betonte, dass die Wiedereinführung der Drachme zu einer drastischen Abwertung führen würde. Energieimporte und die Einfuhr von Arzneimitteln wären mit der Drachme nicht mehr bezahlbar.

Der Linksparteipolitiker Dr. Diether Dehm, MdB, hat als Schatzmeister der Europäischen Linken eng mit Alexis Tsipras zusammengearbeitet, den er als seinen „Freund“ bezeichnet.

Genosse Dehm äußerte Sympathien für einen abgepufferten Grexit a la Lafontaine. Dann würde eine neue Drachme nicht im Verhältnis 1 zu 30 zum EURO sich einpendeln, sondern im Verhältnis 1 zu 7. Nicht einig waren sich die Podiumsteilnehmer und die Gäste über Möglichkeiten und die Grenzen von internationaler Solidarität. Einige Diskutanten bemängelte die wirkungslose, viel zu geringe Unterstützung der deutschen und europäischen Linken mit Griechenland.

Letztlich wurden viele Fragen über das Scheitern des linken Reformismus in den Raum geworfen, auf denen es bisher noch keine zufriedenstellenden Antworten gibt. Der Diskurs und die praktische Solidarität mit Griechenland müssen weiter gehen.