30. August 2015 Rainer Butenschön

Motorrad-Corso durch Hannover als Protest gegen unsoziale Madsack-Pläne - DIE LINKE Region Hannover unterstützt den Protest

Dr. Diether Dehm, MdB DIE LINKE und Direktkandidat im Wahlkreis Hannover Nord mit dem Berliner Pianisten Michael Letz setzen sich für die Madsack Drucker*innen mit starken Worten neben vielen anderen Prominenten ein.

Die Hannoveraner reckten die Hälse: Mehr als 50 schwere Motorräder donnerten am Samstag Nachmittag (29.8.2015) in einem eindrucksvollen Biker-Corso mit Polizeibegleitung und Blaulicht auf einer mehr als zehn Kilometer langen Strecke kreuz und quer durch die Innenstadt. Die Fahrerinnen und Fahrer zeigten Flagge für die von Schließung bedrohte Druckerei das Madsack-Medienkonzerns in Hannover-Kirchrode. Ende 2016 will die Konzernführung die Druckerei platt machen , Madsack-Druckaufträge in Millionenhöhe in die tariflose Druckerei Oppermann in Rodenberg bei Bad Nenndorf verlagern und mehr als 170 Arbeitsplätze in Hannover streichen.

Dagegen rührt sich in Hannover seit Wochen Protest, der am Samstag Nachmittag mit einer Kundgebung vor dem „Anzeigerhochhaus“, dem historischen Stammsitz des Madsack-Konzerns in der hannoverschen Innenstadt, mit anschließender Motorrad-Demonstration seinen vorläufigen Höhepunkt fand. U.a. war Michael Drewes, Betriebsratsvorsitzender der Nordsee-Zeitung, extra mit seiner schweren Maschine aus Bremerhaven angerollt, um den Druckerei-Beschäftigten viel Kraft und Mut im Kampf gegen ihre Entlassung zu wünschen.

Unterstützung erhielten die von Arbeitslosigkeit bedrohten Beschäftigten der Druckerei nicht nur von den solidarischen Zweirad-Fans. Auch die Politik zeigte Flagge während der Kundgebung mit mehreren hundert Zuhörern vor dem „Anzeigerhochhaus“. Der CDU-Landtagsabgeordnete Dr. Max Matthiesen überbrachte solidarische Grüße der CDU-Landtagsfraktion. Diese setzte sich dafür ein, dass die Druckerei in Hannover-Kirchrode erhalten bleibe. Er kritisierte scharf, dass Madsack künftig viele seiner Zeitungen in einer tarifungebunden Druckerei produzieren lassen will und er machte dafür auch die SPD mit verantwortlich, die als größter Anteilseigner an der Verlagsgellschaft Madsack (ca. 23 Prozent Anteile), bei Madsack das Sagen habe.

Dies wies die SPD-Landtagsabgeordnete Doris Schröder-Köpf zurück. Die SPD-Presseholding DDVG habe bei Madsack keine Sperrminorität. Auch die SPD halte das Verhalten der Madsack-Geschäftsführung für inakzeptabel, sagte sie. Der SPD-Landesvorsitzende, Ministerpräsident Stephan Weil, führe Gespräche, darüber, wie es bei Madsack weitergehe.

Solidarisch erklärte sich für die Grünen-Fraktion deren Landtagsabgeordnete Maaret Westphely. Der hannoversche Bundestagsabgeordnete der Linken, Dr. Diether Dehm, lobte, dass hier im Sinne der politischen Einheitsgewerkschaft über alle Parteigrenzen hinweg, für die Zukunft der Druckerei-Beschäftigten Partei ergriffen werde. Zusammen mit dem hannoverschen DGB-Chor, dem chilenischen Gitarristen Pablo Ardouin und dem Pianisten Michael Lentz begleite Dehm die Kundgebung mit Solidaritäts-Liedern und Gedichten von Bert Brecht, die viel Beifall fanden.

Die stellvertretende verdi-Landesleiterin Sonja Brüggemeier betonte, verdi werde die geplante Massenentlassung nicht hinnehmen. Die Gewerkschaft stehe geschlossen hinter den Druckerei-Beschäftigten. An Ministerpräsident Stephan Weil appellierte sie, seinen kritischen Worten Taten folgen zu lassen. Verdi erwarte, dass die SPD-Holding DDVG sich für die Arbeitsplätze in Hannover einsetze. Der Betriebsratsvorsitzende der Verlagsgesellschaft Madsack und Vorsitzende des Verdi-Medienfachbereichs, Rainer Butenschön, kritisierte, dass die Madsack-Geschäftsführung unter Vorsitz von Thomas Düffert in den bisherigen Gesprächen mit Verdi und dem Betriebsrat alle Vorschläge zur Arbeitsplatzsicherung und für sozialverträgliche Lösungen in Form von Ersatzarbeitsplätzen im Konzern und langjährige Altersteilzeit-Regelung abgelehnt hat. Er zitierte den Dichter Bert Brecht mit den Worten „Unrecht ist menschlich! Menschlicher aber ist es, gegen Unrecht zu kämpfen!“ Deshalb werde dies nicht die letzte Aktion sein, mit der die betroffenen Beschäftigten der Madsack-Druckerei gegen den „Gewaltakt Arbeitslosigkeit“ demonstrieren würden.