19. Februar 2017

Film und Diskussion: Alles schon vergessen? Deutsche Kriegsverbrechen in Griechenland und die Frage der Kriegsschuld

Zum zweiten Mal in seiner jüngsten Geschichte steht Griechenland am Abgrund: im Zweiten Weltkrieg mit dem darauf folgenden Bürgerkrieg und seit der Weltwirtschaftskrise von 2008/2009. In deren Folge haben die neoliberalen Eliten der EU, des Internationalen Währungsfonds und der Europäischen Zentralbank dem Land eine wirtschaftlich katastrophale Kaputtsparpolitik aufgezwungen. In beiden Fällen waren bzw. sind die deutschen Regierungen als zentrale Akteure beteiligt. Merkel, Schäuble, Gabriel & Co zeigen sich unbeeindruckt von der humanitären Katastrophe in dem ruinierten Land, deren Dramatik angesichts 50.000 gestrandeter Flüchtlinge und eines unmoralischen Deals mit der Türkei weiter zunimmt.

Vor diesem Hintergrund wollen wir daran erinnern: Im April 1941 überfiel die deutsche Wehrmacht das Land und errichtete eine brutale Besatzungsherrschaft. So hat die Waffen-SS am 10. Juni 1944 Bewohner der Ortschaft Distomo in Mittelgriechenland am Fuße des Parnass-Gebirges massakriert. Die 218 Opfer waren vor allem alte Menschen und Frauen sowie 34 Kinder und vier Säuglinge. Als einziger seiner Familie überlebte der damals 4jährige Argyris Sfountouris. Seine Lebensgesichte wird in dem prämierten Film „Ein Lied für Argyris“ des Schweizer Regisseurs Stefan Haupt erzählt.

Die deutschen Regierungen als Rechtsnachfolger des Nazi-Reichs weigern sich bis heute, für diese Verbrechen und die wirtschaftlichen Raubzüge der Nazis in Griechenland Verantwortung zu übernehmen. Wir wollen wir diskutieren, wie mit der deutschen Schuld gegenüber Griechenland umgegangen werden sollte und wie demokratische Alternativen zur heutigen Griechenland-Politik der EU aussehen könnten.

Texte zum Thema:
Mark Mazower: Griechenland unter Hitler. Das Leben während der deutschen Besatzung 1941-1944, S.Fischer-Verlag, 2016, 29,99 Euro

Prof. Christoph Schminck-Gustavus: Winter in Griechenland: Krieg – Besatzung –Shoa; die Beschreibung der Deportation der griechischen Juden nach Auschwitz. 1940 – 1944; Wallstein-Verlag ,29.90 Euro

Argyris Sfountouris: Trauer um Deutschland, Reden und Aufsätze eines Überlebenden; 2015 bei Könighausen&Neumann, 24.80 Euro

Patric Seibel: „Ich bleibe immer der vierjährige Junge von damals“. Das SS-Massaker von Distomo und der Kampf eines Überlebenden um Gerechtigkeit, Westend Verlag 2016, 22,70 Euro

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