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Veranstaltungsbericht/Kommunaltalk/ Thema: Obdachlosigkeit/ 14.04.2021

Den obdachlosen Menschen die richtigen Werkzeuge zur Verfügung stellen!

Am 14.04.21 fand unser gut besuchter Kommunaltalk zum Thema Obdachlosigkeit als Zoom-Konferenz statt. Es moderierte der Fraktionsvorsitzende im Rat der Landeshauptstadt Hannover, Dirk Machentanz (DIE LINKE).
Sandra Lüke, Initiatorin und erste Vorsitzende vom Bollerwagen Cafe Hannover e.V., berichtete exklusiv über ihren schweren täglichen Einsatz für die obdachlosen Menschen in Hannover. Außerdem diskutierten Rebecca Flügel und Alex Eisele von armutstinkt.

Zu den Teilnehmer*innen gehörte auch Reinhold Fahlbusch von StiDU/Stimme der Ungehörten, der Ombudsstelle für Obdachlose in Hannover. Nach einer kurzen Einleitung von Dirk Machentanz berichtete Sandra Lüke über die Problematik, obdachlosen Menschen quasi rund um die Uhr helfen zu können. Es fehle ihrer Meinung nach an allen Ecken und Enden, um den betroffenen Personen ein menschenwürdiges Leben bereiten zu können. Das fange bei der Nahrung an und höre bei der Unterbringung auf. Physische und psychische Erkrankungen gehörten leider bei einem dauerhaften Leben auf der Straße zur Tagesordnung.

Das berichtete auch ein betroffener Mensch, der O-Ton: Vom Obdachlosen zum Wohnungslosen aufgestiegen war, da er momentan in einer Unterkunft für wohnungslose Menschen untergebracht ist. Circa 25% aller obdachlosen Menschen sind in Hannover bereits über 50 Jahre alt, womit schon von der Wahrscheinlichkeit ausgehend ein erhöhtes Risiko für physische und psychische Erkrankungen bei einem dauerhaften Leben auf der Straße besteht. Sandra Lüke betonte den Umgang mit den betroffenen Menschen auf Augenhöhe. Diese sollen bei fachlicher Hilfestellung aktiv daran mitwirken, aus der Obdachlosigkeit herauszukommen. Es handelt sich laut Lüke oftmals um Bürger*innen mit guten Abschlüssen, die häufig unverschuldete auf der Straße gelandet sind. Das Wort "Mensch" darf dabei nicht zu kurz kommen, so Lüke. So viel Zeit muss sein. Die richtigen Werkzeuge in der Hand dieser Menschen würde diese im Verbund mit fachlicher Hilfe auch dauerhaft befähigen, der derzeitigen Misere zu entkommen. Housing-First, das niedrigschwellige Wohnprojekt, kann dabei ein Anfang sein, der Wohnungslosigkeit zu entkommen. Bei der Vermietung von Wohnungen wurde außerdem für eine soziale Durchmischung plädiert, um Trabantensiedlungen mit einer Ansammlung von sozialen Problemen zu vermeiden. „Hier ist es besonders wichtig, die Wohnungsbaugenossenschaft hanova-Wohnen auch künftig und über das Jahr 2023 hinaus finanziell in die Lage zu versetzen, genug bezahlbare Wohnungen zu schaffen. Das sollten mindesten 30% sein, die der Sozialbindung unterliegen.

Schon heute reichen die neu geschaffenen Wohnungen bei weitem nicht aus, um bedürftigen Bürger*innen genug bezahlbaren Wohnraum zur Verfügung zu stellen. Dieser ist jedoch der Schlüssel für die Abschaffung der Obdachlosigkeit in Hannover“, so Dirk Machentanz, Sozial- und Baupolitiker (DIE LINKE).

Fazit des Abends war, dass es noch immens viel zu tun gibt, und die Ratspolitik sich noch vehementer für das Schicksal der obdachlosen Menschen einsetzen sollte, um deren Schicksal erträglicher zu machen. Wie Sandra Lüke anmerkte, handelt es sich bei den Obdachlosen um Menschen, die Würde, Selbstbestimmung und gesellschaftlicher Teilhabe zu Recht für sich mitbeanspruchen. „Wo Platz für eine gegenderte Sprache in Form eines Gendersternchens geschaffen wurde, darf der menschliche Aspekt daher erst recht in dieser Stadt nicht zu kurz kommen“, so Sandra Lüke.

Link zur Aufzeichnung: https://www.youtube.com/watch?v=eLc0umcbKKc